
Bayern_Update_Schule
Bildung ist Bayerns wichtigster Rohstoff. Doch dieser Rohstoff wächst nicht von selbst. Gute Bildung braucht klare Erwartungen, Leistungsbereitschaft und einen Staat, der hinschaut, eingreift und fordert. Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, darf Defizite nicht schönreden, sondern muss sie konsequent beheben. Klar ist auch: Gesunde Schülerinnen und Schüler lernen erfolgreicher, konzentrierter und mit mehr Freude. Deshalb muss Schule in Bayern Gesundheit ganzheitlich denken. Wer Bildung stärkt, darf Schülergesundheit nicht als Nebenthema behandeln.
Für uns ist klar: Bildung braucht Leistung und Leistung braucht gesunde junge Menschen.
1. Weniger Ferienromantik und mehr Deutschkompetenz
Frühe Förderung allein reicht nicht aus. Sprachkompetenz ist kein einmaliger Status, sondern muss kontinuierlich überprüft und gesichert werden. Ein Blick nach Österreich zeigt, wohin fehlendes Nachsteuern führt: Dort können fast 50.000 Schülerinnen und Schüler bis zum Alter von 15 Jahren dem Unterricht sprachlich nicht folgen.
Wer kein Deutsch kann, hat in der Schule keine Chance. Der Staat darf das nicht hinnehmen. Um solche Zustände in Bayern zu verhindern, fordern wir die Ausweitung verpflichtender, standardisierter Sprachstandserhebungen bis einschließlich der Mittelstufe, ein verbindliches Förderkonzept für Schülerinnen und Schüler mit festgestellten Defiziten, die Teilnahme an intensiven Deutsch-Förderkursen von mindestens drei Wochen in den Schulferien sowie klare Konsequenzen bei Nichtteilnahme: Wer unentschuldigt fernbleibt, begeht eine Schulpflichtverletzung, die mit einem Bußgeld zu ahnden ist. Denn Förderung ohne Verbindlichkeit ist wirkungslos. Wer Chancen will, muss Pflichten akzeptieren.
2. Erfahrung nutzen statt Arbeitszeit verschenken
3. Mehr Leistungstransparenz – Noten wieder ernst nehmen
Ein leistungsfähiges Schulsystem braucht klare Rückmeldungen. In den letzten Jahren ist jedoch eine zunehmende Verwässerung von Leistungsanforderungen zu beobachten. So steigt der Anteil von 1,0-Abis immer mehr an – im Vergleich zum Schuljahr 2018/2019 hat sich der Anteil um die Hälfte erhöht. Fehlende Vergleichbarkeit, inflationäre gute Noten und zurückhaltende Leistungsrückmeldungen helfen niemandem, am wenigsten den Schülerinnen und Schülern selbst. Wir fordern daher die Stärkung verbindlicher Leistungsmaßstäbe in allen Schularten, eine landesweit vergleichbare Noten- und Prüfungsstruktur, eine ehrliche Leistungsrückmeldung an Eltern und Schüler, auch wenn sie unbequem ist.
Motivation entsteht nicht durch das Absenken von Anforderungen, sondern durch klare Ziele und messbare Fortschritte.
4. Psychische Gesundheit nachhaltig stärken
Psychische Belastungen durch Stress und soziale Konflikte nehmen zu. Schule darf damit nicht allein gelassen werden. Wir fordern die Stärkung von Schulpsychologen und Beratungslehrkräften. Schülern muss bei Problemen schnell und unkompliziert Unterstützung aus der Schulfamilie angeboten werden. Wir fordern insbesondere eine niederschwellige, digitale Terminvergabe bei Schulpsychologen und Beratungslehrkräften ohne Hürden. Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein. Der Umgang mit Stress, Ängsten, Konflikten und Krisen muss altersgerecht Teil des Schulalltags sein. Resilienz, Selbstorganisation und mentale Stärke sind Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts, daher muss Prävention vor Intervention stehen. Deshalb sollen ab der 5. Klasse bestehende Strukturen im Rahmen von Biologie (bzw. Natur und Technik), Religion bzw. Ethik und Klassenleiterstunden genutzt werden, um frühzeitig die Konzentrationsfähigkeit zu stärken und um Resilienz zu fördern.
5. Bildung braucht Leistung – aber Leistung braucht gesunde junge Menschen
Bewegung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Konzentration und Leistungsfähigkeit. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt braucht es körperlichen Ausgleich im Schulalltag. Wir setzen uns für eine Ausweitung des wöchentlichen Sportunterrichts unter Einbindung lokaler Sportvereine, tägliche Bewegungsangebote und bewegte Pausen an allen Schulen ein. Ebenso zentral ist gesunde Ernährung. Der Freistaat macht es vor und weiß um die Bedeutung der Ernährung: Seit 2025 sind 50 % regionale oder ökologische Waren in Bayerns staatlichen Kantinen einzusetzen, hier sollen Schulmensen und Kioske mit einbezogen werden und einen besonderen Fokus auf ausgewogene und hochwertige Angebote legen. Darüber hinaus braucht es mehr Bewusstsein für Haltung und ergonomisches Lernen, zum Beispiel durch moderne Möblierung und bewegungsfreundliche Klassenräume. Ergonomisches Arbeiten, was in jedem Büro heute Standard ist, darf für unsere Schülerinnen und Schüler kein Luxus sein.
6. Pratikums-Stufenmodell einführen – Perspektiven aufzeigen
Als großer Stressfaktor für Schülerinnen und Schüler gilt die Frage: Was mache ich nach der Schule? Zwischen 20% und 40 % wissen nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen, und nur etwa ein Drittel hat bereits konkrete Pläne. Diese Unsicherheit stellt einen zusätzlichen Belastungsfaktor dar, da häufig die Motivation fehlt, sich beispielsweise intensiv auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Anders ist es bei denen, die bereits ein klares Ziel vor Augen haben und ihren Abschluss bewusst mit einer bestimmten Leistung erreichen möchten.
Um dieser Ziellosigkeit entgegenzuwirken, sollte ein gestuftes Praktikumsmodell eingeführt werden. Dieses könnte folgendermaßen aussehen: In der 8. Klasse absolvieren alle Schülerinnen und Schüler ein einwöchiges Praktikum im handwerklichen, landwirtschaftlichen oder technischen Bereich. In der 9. Klasse folgt ein einwöchiges soziales Praktikum. In der 10. Klasse schließen sie schließlich ein einwöchiges akademisches Praktikum an, bei dem Berufe begleitet werden, die einen Hochschulabschluss voraussetzen.
Dieses Stufenmodell kann helfen, bislang unentdeckte Interessen zu wecken und den Weg nach der Schule klarer zu gestalten. Gleichzeitig fördert es das Verständnis und den Respekt für unterschiedliche Berufsgruppen sowie deren Bedeutung für die Gesellschaft. Denn Deutschland braucht nicht nur Akademiker, sondern Fachkräfte in allen Bereichen – und genau das sollte gezielt gefördert werden.
Bayern braucht ein Update für sein Bildungssystem: mehr Verbindlichkeit, mehr Leistungsorientierung, mehr Gesundheit. Gute Bildung entsteht dort, wo der Staat fördert, fordert und Verantwortung einfordert: bei Schülern, Lehrern, Eltern und in der Schulfamilie selbst.
Positionspapier
Weitere Informationen zu unseren Forderungen kannst du unserem Positionspapier entnehmen!
